Avon – Frauenlauf 2012

Am Tag des Pokal-Finales Dortmund – Bayern, ein Erfahrungsbericht

Jedes Jahr wieder melde ich mich zum Berliner Avon-Frauenlauf an. Für den, der vor 3 Tagen statt fand, hatte ich mich sogar schon im Dezember letzten Jahres angemeldet. Und immer weiß ich, dass es eine ziemliche Tortur wird, auf die alte Bestzeit noch einen draufzusetzen. Dabei könnte es so schön sein. Gemeinsam mit über 3000 anderen Frauen lässig durch den Tiergarten traben und sich von der jubelnden Meute an der Strecke feiern lassen. So war es zumindest beim ersten mal. Rückblickend betrachtet, war das der entspannteste Lauf, den ich je absolviert habe. Danach allerdings wollte ich mich nie wieder von alten Omis oder übergewichtigen Dampfwalzen überholen lassen. Der Ehrgeiz hatte mich gepackt und nicht mehr losgelassen. Aber kommen wir zurück ins Jahr 2012. Nur eine Freundin und ich waren aus der BATATA-Laufgruppe dabei. Wir wünschten uns viel Glück und einen guten Lauf, und los ging es auf der Straße des 17. Juni immer geradeaus zum großen Stern. Links und rechts am Straßenrand standen Ehemänner, Väter, Kinder und Familienangehörige. Nur meine nicht, denn heute war ja Pokalfinale, und die Jungs wollten die erste Halbzeit auf keinen Fall verpassen. Die treuen Zuschauer hielten Schilder hoch, auf denen Sätze standen wie: „Unsere Mama ist die Schnellste“ oder „ Miri und Lara, ihr schafft das!“. Sie schrien, klatschen und jubelten frenetisch, so dass der erste Kilometer ein Kinderspiel war. Meine Pulsuhr machte mich aber gleich darauf aufmerksam, dass ich viel zu schnell unterwegs war, kurze Zeit später merkte das auch mein Körper, ich ging also auf die Bremse und versuchte meine Atmung unter Kontrolle zu bekommen. Bei Kilometer 3 fühlte ich mich endlich besser. Ich wurde von unglaublich vielen Frauen überholt und wunderte mich, dass ich trotzdem eine gute Zeit lief. Neben mir tauchte ein kleine Läuferin auf und rief: „ Oh, BATATA läuft auch mit, das ist ja schön.“ Es war eine Kundin, die schon oft etwas bei uns im Atelier gekauft hatte. Meinen Ausruf des Erkennens und das anschließende Hallo hörte sie noch im Überholvorgang, und dann war sie weg. Das Ende der ersten Runde näherte sich. Wir bogen aus dem Tiergarten auf den 17. Juni ein. Irgendwo am Horizont erschien die Siegessäule. Dorthin mussten wir und dann links in die Hofjägerallee einbiegen. Alle Kilometerpunkte hatte ich im Kopf. Die Straße des 17. Juni zog sich wie Kaugummi. Endlich erreichten wir die blöde Goldelse. Ich wusste, das war das letzte mal heute, dass ich sie passieren musste. Die Hälfte der Strecke war geschafft. Nun ging es kreuz und quer durch den Tiergarten. Immer noch wurde ich überholt, immer noch versuchte ich einen Erholungsmodus zu finden, aber die anderen zogen mich mit. Nach Kilometer 6 konnte ich nicht mehr, wollte aufhören, Irina Mikitenko war jetzt schon fast im Ziel, und ich musste mich noch immer schinden. Ich überredete mich dann doch weiter zu laufen, denn alles andere wäre ja auch blöd gewesen. Meine Beine liefen irgendwie automatisch, aber mein Kopf hatte ein Problem. Bei Kilometer 7 fing ich an andere Läuferinnen zu überholen, zur Abwechselung ein positives Gefühl. Kilometer 8 führte auf den Bremer Weg, der parallel zur Straße des 17. Juni verläuft. Dort sah man zwischen den Bäumen die Frauen, die jetzt erst in die zweite Runde gingen. Ich bedauerte sie und sehnte mit schmerzenden Füßen das Ziel herbei. Am Wegesrand tauchte eine Wasserstation auf, das schien mir eine gute Idee zu sein. Hat schon mal jemand versucht während des Laufens aus einem Plastikbecher eiskaltes Wasser zu trinken? Es brachte mich total aus dem Rhythmus, ich war stinksauer auf mich selbst. Aber da war Kilometer 9 an der Amazone, der merkwürdigen Pferdestatue. Wieder überall Zuschauer, die nervten jetzt irgendwie, genau wie die Sambatrommler, ich konnte sie nicht mehr ertragen. Auch für komische Sprüche wie „Nur noch einen Kilometer, Tempo hopp hopp“ fehlte mir gerade der Humor. Ich quälte mich verbissen zur Zielgeraden. Aber dann, beim Herauskommen aus dem Wald und Einbiegen auf die Straße des 17. Juni, setzte ich mit einer Mischung aus Trotz und dem Getragenwerden durch den Beifall der Zuschauer zu einem unerwarteten Endspurt an, hörte noch meinen ehemaligen Schulkameraden Björn am Straßenrand laut meinen Namen rufen und erreichte nach 51 Minuten und 44 Sekunden total erschöpft das Ziel. Dort empfing mich meine Laufgruppen-Kumpanin, die schon seit 8!!!Minuten auf mich wartete. Sie kam unter die besten 40. des Gesamtfeldes – Chapeau . Ich belegte Platz 475 mit neuer Bestzeit. Stolz waren wir auf uns, aber wir fühlten uns auch fix und fertig, wollten nur noch eine heiße Dusche und eine bequeme Couch. Ich kam nach Hause, die Wohnung war leer, die Jungs schauten außerhalb bei Freunden. Irgendwann lag ich dann vor dem Fernseher. Gerade fing die zweite Halbzeit an. Ich erfasste den Spielstand, freute mich riesig, bekam noch das 4:1 mit, freute mich wieder und schlief tief und fest ein.


Categorised as: Berlin, Laufgruppe


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